Stationen der Kunst: Beeindruckende U-Bahn Stationen in Neapel

Viele assoziieren mit Neapel immer noch stinkende Müllberge und Verkehrschaos, doch seit einigen Jahren arbeitetet die Millionenmetropole mit Hochdruck daran, ihr negatives Image loszuwerden und die Stadt, im wahrsten Sinne des Wortes, schöner zu machen. Eine dieser Verschönerungsmaßnahmen ist das Projekt „Metro e Arte“ (U-Bahn und Kunst), welches die Attraktivitätssteigerung der Neapolitanischen U-Bahnen zum Ziel hat.
Am besten kann man das Ergebnis dieser Aktion während einer Rundfahrt mit der U-Bahn Linie 1 bewundern. Jede der neu gestalteten Stationen wurde im Rahmen des Projekts „Stazioni dell’arte“ (Stationen der Kunst) von einem weltbekannten Architekten entworfen und von renommierten Künstlern gestaltet. Somit entstand eine kilometerlange, frei zugängliche Kunstausstellung. Die neu gestalteten Stationen sind wegweisend: U-Bahnen befördern Menschen nicht nur, sondern begeistern sie auch, Metrosysteme werden zu Attraktionen. Die seit 2001 eröffneten Stationen tragen durch ihre geräumigen und hellen Strukturen dazu bei, dass sich die Menschen in öffentlichen Verkehrsmitteln wohler fühlen und diese auch gerne benutzen. Als positiver Nebeneffekt wurde dadurch die Umweltbelastung Neapels bereits deutlich gesenkt. Inzwischen wurden neun Haltestellen der Linie 1 zu Stationen der Kunst umgebaut: Rione Alto, Vanvitelli, Quattro Giornate, Salvator Rosa, Materdei, Museo, Dante und die erst kürzlich eröffneten Stationen Toledo und Università. Die Linie 1 fährt von 06:00 Uhr bis 23:00 Uhr und je nach Tageszeit alle 6 bis 15 Minuten.
An der Station Rione Alto entstand eine spektakuläre blaue Neonspirale an der Decke des Untergeschosses. Eine Bildcollage von Fußballern während eines Spiels begleitet die Fahrgäste zum Bahnsteig. Der Platz vor dem Eingang zur Metro, welcher mit einer modernen Glas- und Metallkuppel überdacht ist, wurde mit einer Bronzestatue und einem Brunnen verschönert.
Zwei große Stahlsterne an der Station Vanvitelli bilden ein Wechselspiel zwischen Fülle und Leere. Ein tolles Farbenspiel von blau zu gelb und von lila zu grau sowie großformatige Fotos, welche die Architektur Neapels widerspiegeln, laden den Besucher ein, genauer hinzusehen.
Nicht nur die Metrostation Quattro Giornate, auch der Platz davor wurden neu gestaltet. Grünflächen, Blumenbeete und Metall- und Bronzestatuen geben der Piazza Quattro Giornate ein neues Ambiente. Die Station und die Piazza sind nach dem Aufstand benannt, bei dem Neapel von den Nazis befreit wurde und diesem Thema widmeten sich auch die Künstler bei der Neugestaltung der Station.
Bei der Haltestelle Salvator Rosa wurde ebenfalls die direkte Umgebung in die Neugestaltung einbezogen. Die Überreste einer alten römischen Brücke sowie eine neoklassizistische Kapelle wurden restauriert und ein angrenzender Wohnkomplex wurde in ein Kunstwerk verwandelt. Die verschiedenen Levels des terrassenförmig angelegten Platzes sind mit langen Rolltreppen verbunden. Auf einer Terrasse animieren drei Spiele aus vulkanischem Gestein den Besucher zu verweilen.

Von dem gleichen Künstler wurde auch die Station Materdei gestaltet. Farbenprächtige Wanddesigns lassen die Eingangshalle und Gänge erstrahlen. Der Platz um den Eingangsbereich wurde zur Fußgängerzone deklariert und durch großzügige Grünanlagen aufgelockert.
Die Station Museo ist durch einen Korridor mit dem Archäologischen Museum verbunden, daher wurde sie teilweise mit rotem Putz und Vesuvgestein gestaltet. Schwarz-weiß Fotografien von antiken Statuen sowie zeitgenössische und moderne Fotografien zieren die Wände.
In weißem Neonlicht scheint eine Textpassage aus dem Werk Convivio des italienischen Dichters und Philosophen Dante an der gleichnamigen Haltestelle. Die Wand an einem der unteren Stockwerke zeigt ein Kunstwerk aus alten Damen- und Herrenschuhen, die mit Gleisstücken daran befestigt wurden. Am Bahnsteig stehen bunte geometrische Formen für ein „Universum ohne Bomben“ und ein „Königreich aus Blumen“.
Zu einer der beeindruckendsten U-Bahn Stationen Europas wurde die neue Haltestelle Toledo kürzlich vom britischen Telegraph gekürt. Ein gigantisches Mosaik an der Decke zeigt in faszinierendes Blautönen den Crater de Luz, ein ovales Konstrukt, das alle Level miteinander verbindet und Sonnenlicht nach unten transportiert. Ein weiteres riesiges Wandmosaik zeigt dunkle Gestalten, inspiriert durch die Geschichte Neapels, die ihrem Schutzheiligen San Gennaro folgen. Das umliegende Areal an der Oberfläche wurde ebenfalls neu gestaltet und vereint klare Strukturen mit moderner Architektur und Kunst.


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Auch die Station Università wurde erst vor kurzem eröffnet und soll Schönheit und Vergnügen in den täglichen Pendlerverkehr bringen. Bunte und florale Formen, Leuchtkästen und Worttafeln mit Wortneuschöpfungen der letzten 50 Jahre können als abstrakte Darstellung des Technologiezeitalters interpretiert werden.
Neben den genannten sind noch viele weitere Kunstwerke verschiedenster Stilrichtungen und Arten zu sehen. Ein Besuch Neapels lässt sich hervorragend mit deren Besichtigung verbinden und ein Blick in den Untergrund Neapels lohnt sich in jedem Fall.